Jung, nicht in Ausbildung, ohne Arbeit ...
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Infografik Nr. 726304
Jung, nicht in Ausbildung, ohne Arbeit ...
Sind sie die verlorene Generation: Junge Leute zwischen 15 und 29 Jahren, die keine weiterführende Ausbildung durchlaufen und auch keiner Arb ...
Jung, nicht in Ausbildung, ohne Arbeit ...
Sind sie die verlorene Generation: Junge Leute zwischen 15 und 29 Jahren, die keine weiterführende Ausbildung durchlaufen und auch keiner Arbeit nachgehen? Die sogenannten NEETs (young people not in education, employment, or training) machen in der EU einen beträchtlichen Teil ihrer Altersgruppe aus. 2014 fiel je etwa ein Viertel der jungen Griechen, Italiener und Bulgaren unter diese Beschreibung. Deutlich niedriger war der Anteil der Betroffenen in Ländern wie Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Österreich oder Schweden, aber auch dort hatten sich zwischen 6 und 8 % der jungen Leute wenigstens zeitweise vom Ausbildungssystem und der Arbeitswelt abgewandt. Der EU-Durchschnitt lag bei knapp 15 %.
Diese Prozentanteile gelten jedoch nur für Jugendliche und Jungerwachsene mit der Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes. Junge Ausländer, vor allem wenn sie aus einem Land außerhalb der EU stammen, sind in viel stärkerem Maß betroffen: Im EU-Durchschnitt zählten 2014 mehr als 26 % der jungen Ausländer aus Nicht-EU-Staaten als NEETs. Noch weit höher war ihr Anteil unter anderem in Slowenien und Griechenland (37 %), in Italien (35 %) sowie in Spanien und Belgien (33 %). In Deutschland lag der Anteil der NEETs aus Nicht-EU-Ländern zwar unter dem europäischen Durchschnitt, doch war er (ähnlich wie in den Niederlanden) fast dreimal so hoch wie für die eigenen Staatsbürger – Grund genug, die Hindernisse für die Integration der jungen Ausländer ins deutsche Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitssystem auch unter diesem Aspekt zu hinterfragen.
Untersuchungen in Österreich ergaben eine Reihe ganz unterschiedlicher Ursachen und Motive, aus denen junge Leute zu NEETs werden. Viele sind zwar arbeitslos, aber durchaus bereit, innerhalb kurzer Frist eine Stelle anzutreten. Andere haben prinzipiell den Wunsch zu arbeiten oder eine Lehre zu absolvieren, unternehmen von sich aus aber keine Schritte mehr zur Stellensuche, weil sie bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben und sich keinen Erfolg ausrechnen. Darunter befinden sich häufig Jugendliche mit abgebrochener Schullaufbahn, vorzeitig aufgekündigter Ausbildung oder mäßigen Sprachkenntnissen. Für junge Frauen, zumal wenn sie nur über schwache Bildungsvoraussetzungen verfügen, ist die Betreuung eines Kindes oft der Anlass, aus dem sie sich vom Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt abkoppeln. Die bewusste Verweigerung einer Ausbildung oder einer Arbeitsaufnahme dürfte eher die Ausnahme darstellen. Dafür spricht auch, dass der Anteil der NEETS zurückgeht, wenn sich die Konjunktur günstiger entwickelt.
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |
| Ausgabe: | 10/2015 |